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Interview mit Nicolette Kern – Adventure Golfpark Enzklösterle

Adventure Golfpark Enzklösterle - Frau Kern und Team

Für meinen Beitrag den Adventure Golfpark Enzklösterle habe ich mich persönlich mit der Inhaberin des Lokals getroffen.

Zu Beginn würde ich gerne mehr euch und die Gastronomie erfahren.

Ich bin Nicolette Kern (62) und betreibe seit 17 Jahren den Adventure Golfpark in Enzklösterle. Der Adventure Park wurde 2002 eröffnet. Damals wurde der Biergarten für 80 Personen eröffnet – inzwischen haben wir auf 120 Gäste erweitert. Wir haben dort auch eine sogenannte „Scheuer“ – wo man bei schlechtem Wetter auch drinnen sitzen kann. Die Küche wurde nach der Eröffnung 2002, Schritt für Schritt aufgebaut. Inzwischen gibt es eine große und gute Speisekarte. Einen großen Schwerpunkt legen wir dabei auf die glutenfreie Küche. Diese bieten wir seit 6 Jahren an.

Zusätzlich haben wir noch die Festhalle. Hier haben wir mehrfach im Jahr Veranstaltungen mit über 400 Gästen. Auch hier sind die Leute auch sehr angewiesen auf eine zuverlässige Küche.

In den Wintermonaten, wenn der Adventure Golfpark geschlossen hat, bieten wir in der Festhalle immer am Wochenende das sogenannte „Winter Café“ an – hier gibt es durchgehend warme Küche und auch selbstverständlich glutenfreie Kuchen!

Wieso bietet ihr glutenfreie Speisen an?

Mein Mann sowie seine Brüder und Neffen selbst von einer Glutenunverträglichkeit betroffen. Das heißt, das ist für uns ein ganz großes Thema. Auswärtsessen gehen bedeutet häufig Stress. Es kommt häufig vor, dass wir wieder gehen müssen oder mein Mann einfach nichts essen kann. Und gerade das, finde ich in der Gastronomie sehr schade.
Aufgrund dieser Erfahrungen machen wir das anders und sind im glutenfreien Bereich sehr zuverlässig.

Welche 3 Schlagworte kommen dir in den Kopf, wenn du an glutenfreies Essen denkst?

  • Fett – Pommes (Fritteuse) – als typische Glutenfalle
  • Zuverlässige Arbeit
  • Hygiene

Wie ist die Wahrnehmung zu glutenfrei/allergenfrei bei Nicht Betroffenen aus eurer Sicht?

Ich schreibe nicht großartig glutenfrei dran – das verkauft sich sonst nicht. Es gibt viele Vorurteile.

Ein Käsekuchen beispielsweise ist auch glutenfrei. Aber das muss ich nicht ranschreiben. Es schmeckt den Leuten trotzdem.

Wie sind eure Erfahrungen mit glutenfreien Kunden?

Ganz super toll! Die Reaktion ist unheimlich toll. Ob das Mütter sind mit ihren Kindern oder Betroffene selbst. Sie sind so dankbar, wenn sie wohin kommen und es einfach klappt. Oder wenn sie zu uns zum Golfspielen kommen und es dann lesen, dann kommen sie gleich rein und erkundigen sich.

Das sind dann auch Leute, die wiederkommen! Viele Leute fragen uns auch, wieso wir glutenfrei anbieten. Wir erklären dann, dass der Chef betroffen ist. Das ist für viele Gäste ganz wichtig – weil sie dann wissen, dass wir damit umgehen können.

Wie stellt ihr euer glutenfreies Angebot sicher?

Wir bereiten unsere glutenfreien Speisen grundsätzlich immer zuerst vor. Alles wird dann auch in separaten Behältern gelagert – die eigens dafür gekennzeichnet sind. Darüber hinaus haben wir ein separates Waffeleisen oder auch separates Geschirr. Und alles wird auch am Ende entsprechend verpackt, so dass es nicht wieder zusammenkommt.

Grundsätzlich sehe ich auch keinen Sinn darin, dass man Soßen mit Mehl bindet oder das man Zwiebeln für den Rostbraten in Mehl wendet. All diese Dinge sind für mich in der heutigen Zeit nicht mehr nachvollziehbar. Das sind Dinge, die hat meine Großmutter so gemacht – weil sie es nicht anders gekannt haben. Wir verwenden kein Mehl in unserer Küche.

Bei uns sind alle Mitarbeiter geschult. Meine Mitarbeiterin in der Küche hat auch selbst ein betroffenes Kind.

Die zuverlässige Zubereitung hat bei uns die höchste Priorität. Wenn wir einen Kunden haben, der glutenfrei bestellt, dann fragen wir auch speziell nach – ob sie von Zöliakie betroffen sind oder nicht. Dann kommt die Rückmeldung in die Küche und wir wissen „Achtung! Glutenfrei zuerst!“

Ein gutes Beispiel ist auch unser Sonntagsbrunch in der Festhalle. Wir bauen dort auch unser Buffet in einem separaten Raum auf. Damit keiner unwissentlich einfach etwas anfasst oder etwas verwechselt und mit seinem Brötchenmesser in die Wurst reinfährt. Wenn man das als Außenstehender nicht weiß, kann das ja schnell mal passieren. Das wäre aber sehr schlecht für den Betroffenen. Daher bauen wir es separat auf.

Bedeutet glutenfrei auch einen höheren wirtschaftlichen Aufwand und lohnt sich das überhaupt?

Ich muss sagen, dass glutenfreies Mehl teurer ist. Ein normales Mehl bekommen sie für ca. 80 Cent das Kilo. Bei einem glutenfreien Mehl bin ich bei 3-4€/kg. Das ist teurer. Aber das wissen alle Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit. Sie wissen, dass es teurer ist und akzeptieren auch einen höheren Preis. Allerdings bin ich der Meinung, man sollte es schon noch auf dem Teppich lassen.

Unser normales Buffet kostet beispielsweise 20€. Das glutenfreie Buffet kostet 25€. Das sollte noch im Rahmen sein. Total überzogene Preise finde ich nicht nachvollziehbar.

Die zusätzlichen Kosten beziehen sich ja auch nur auf Mehl, Brot oder Nudeln. Alles andere ist bei uns sowieso glutenfrei. Das kostet nicht mehr. Es ist einfach ein anderer Prozess – aber das kostet uns nicht mehr.

Ich finde, man sollte die Not der Leute da nicht ausnutzen.

Natürlich ist es schon etwas mehr Aufwand – aber häufig muss ich doch nur die Reihenfolge der Zubereitung ändern. Ich kann doch beispielsweise zuerst glutenfreie Nudeln zubereiten, das alles fertig machen und dann anschließend die anderen Sachen kochen. Ich muss mich nur an die Reihenfolge halten. Oder bei unserem glutenfreien Waffelteig – den mache ich morgens vor allem anderen – dann kommt es in einen gekennzeichneten Behälter und fertig aus.

Ich brauche keine speziellen Töpfe – sie müssen ordentlich sauber gemacht werden.

Gewisse Dinge benötige ich natürlich separat – alle Dinge, wo sich unter Umständen Spuren absetzen können und die ich nicht richtig sauber machen kann – wie z.B. unser Waffeleisen oder für Teigwaren zum Durchdrücken (bei Spätzlen) oder Rührmaschinen für Teige – das habe ich separat angeschafft.

Wie sieht es bei euch mit anderen Allergenen aus?

Darauf können wir auch reagieren. Wir haben beispielsweise immer laktosefreie Milch und Joghurt da. Und auch bei anderen Allergenen – gehen wir darauf ein. Wir haben beispielsweise auch Nussspätzle. Und bei manchen Veranstaltungen haben wir Nussallergiker dabei – da machen wir selbstverständlich nussfreie Spätzle. Das Vorgehen ist hier dann genauso wie beim glutenfreien – diese Spätzle werden zuerst zubereitet und separat gelagert.

Man muss dazu bereit sein! Natürlich haben wir auch mal stressige Situationen, wenn es voll ist. Aber dann gehe ich geschwind zum Gast heraus und frage gezielt nach, worauf ich achten muss.

Frau Kern, vielen Dank für das Interview!

Den Beitrag zu diesem Interview findet ihr hier.

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